Testosteron messen: Der Fehler, den die meisten Männer machen
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„Herr Schneider, Ihr Testosteronwert liegt genau im Durchschnitt für Ihr Alter." Wenn du diesen Satz von deinem Arzt hörst, solltest du hellhörig werden – nicht beruhigt sein. Warum, erklärt Alexander in diesem Video.
Warum ein Gesamtwert allein wenig sagt
Quelle: Goldman et al. 2017, Endocrine Reviews 38(4):302–352
Testosteron liegt im Blut nicht einfach frei vor. Der größte Teil ist gebunden: etwa 44 bis 65 Prozent fest an das Transporteiweiß SHBG – praktisch unwirksam –, weitere 33 bis 54 Prozent locker an Albumin, bioverfügbar, aber noch nicht aktiv. Nur 1 bis 4 Prozent liegen frei vor. Das ist der Anteil, der ungehindert an den Androgenrezeptoren wirken kann – und der eigentlich entscheidende Wert.
Wer nur das Gesamttestosteron misst, sieht also nicht, wie viel davon überhaupt ankommt. Zwei Männer mit demselben Gesamtwert können völlig unterschiedlich viel freies, wirksames Testosteron haben – je nachdem, wie viel SHBG sie haben.
Deshalb sollte eine vollständige Messung immer die ganze Kette abdecken: Gesamttestosteron, SHBG, Albumin und daraus berechnet das freie Testosteron. Androgenrezeptoren selbst lassen sich nicht messen – sie sitzen im Muskelgewebe –, aber ihre Empfindlichkeit lässt sich über andere Hebel verbessern.
Warum "im Normbereich" nicht "gut für dich" heißt
Quellen: Travison et al. 2007, J Clin Endocrinol Metab 92(1):196–202; Lazarou et al. 2006, J Sex Med 3(6):1085–1089
Ein zweiter, oft übersehener Punkt: Referenzbereiche sind kein festes Naturgesetz. Sie bilden den Durchschnitt der untersuchten Bevölkerung ab – und dieser Durchschnitt verändert sich.
Eine Untersuchung an Männern aus dem Großraum Boston zeigt: Bei identischem Alter lag das Gesamttestosteron im Zeitraum 2002–2004 rund 17 Prozent niedriger als bei gleichaltrigen Männern, die 1987–1989 gemessen wurden – unabhängig vom individuellen Alterseffekt, auch nach Bereinigung um Körpergewicht und weitere Faktoren.
Das heißt: „Normal" verschiebt sich mit nach unten, wenn der Bevölkerungsdurchschnitt insgesamt ungesünder wird. Ein Wert im Referenzbereich bedeutet vor allem eines: Du bist nicht eindeutig krank. Er bedeutet nicht automatisch, dass der Wert für dich persönlich gut ist.
Dazu kommt ein drittes Problem: Referenzbereiche sind nicht einmal zwischen Laboren einheitlich. Eine Untersuchung an 25 Laboren fand 17 unterschiedliche Referenzbereich-Sets für Gesamttestosteron – mit teils großen Unterschieden zwischen den Grenzwerten. Derselbe Blutwert kann je nach Labor als normal oder als niedrig eingestuft werden.
Praktische Konsequenz: Das Ziel sollte nicht die untere Grenze des Referenzbereichs sein, sondern das obere Drittel.
Wie du richtig misst
- Morgens, gleich nach dem Aufstehen – dann ist der Tageswert am höchsten.
- An einem normalen Tag, nicht nach drei Wochen Urlaub und nicht nach einem Wochenende mit viel Alkohol.
- Am besten zweimal messen, um Tagesschwankungen auszugleichen.
- Die ganze Kette messen lassen: Gesamttestosteron, SHBG, Albumin, freies Testosteron – nicht nur einen Einzelwert.
Zwei Wege dafür: beim Hausarzt die entsprechenden Werte ankreuzen lassen, oder einen Speicheltest bestellen, zum Beispiel bei Cerascreen für rund 35 Euro – mit dem Code Alex10 gibt es Rabatt darauf. Offen gesagt: Wir bekommen dafür keine Provision, der Code macht den Test für dich lediglich günstiger. Wie du das Ergebnis einordnest, ist am Ende wichtiger als der Weg dorthin.
Eine persönliche Zahl zur Einordnung
Mit 28 hatte Alexander einen Testosteronwert wie ein 60-Jähriger – knapp 40 pg/ml, im unteren Drittel des Referenzbereichs, trotz viel Sport und sauberer Ernährung. Elf Jahre später, mit 39, liegt er 30 bis 40 Prozent über dem oberen Referenzbereich – auf natürlichem Weg erreicht, ohne TRT.
Das ist seine persönliche Geschichte, kein Studienergebnis – aber sie zeigt, wie groß die Spannweite innerhalb eines einzigen Lebens sein kann, und dass „im unteren Drittel" kein Endpunkt sein muss.
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Reicht ein einzelner Testosteronwert vom Hausarzt?
Meist wird nur das Gesamttestosteron gemessen. Aussagekräftiger ist die ganze Kette: Gesamttestosteron, SHBG, Albumin und das daraus berechnete freie Testosteron.
Was bedeutet „freies Testosteron"?
Der Anteil des Testosterons, der nicht an SHBG oder Albumin gebunden ist und deshalb direkt an Androgenrezeptoren wirken kann – bei den meisten Männern nur 1 bis 4 Prozent des Gesamtwerts.
Warum sagt ein Wert „im Normbereich" wenig aus?
Referenzbereiche bilden den Bevölkerungsdurchschnitt ab, und der ist über die letzten Jahrzehnte gesunken. Zusätzlich nutzen verschiedene Labore unterschiedliche Referenzbereiche. „Normal" heißt vor allem: nicht eindeutig krank – nicht: optimal für dich.
Wann sollte ich messen?
Morgens, gleich nach dem Aufstehen, an einem normalen Tag ohne Ausnahmesituationen wie Urlaub oder starken Alkoholkonsum davor. Idealerweise zweimal, um Schwankungen auszugleichen.
Was ist ein gutes Ziel?
Nicht die untere Grenze des Referenzbereichs, sondern das obere Drittel.
Kann ich Androgenrezeptoren direkt messen?
Nein, sie sitzen im Muskelgewebe und sind labordiagnostisch nicht zugänglich. Ihre Empfindlichkeit lässt sich aber über andere Hebel verbessern.
Worauf sich dieser Text stützt
Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus veröffentlichten Untersuchungen. Eine im Video genannte Aussage („70-Jährige haben teils höhere Werte als heutige 30-Jährige") ließ sich mit der verfügbaren Literatur nicht bestätigen und wurde deshalb nicht übernommen. Cortisolspiegel richtig messen · Über Alexander Djordjevic
- Goldman AL, Bhasin S, Wu FCW, Krishna M, Matsumoto AM, Jasuja R. A Reappraisal of Testosterone's Binding in Circulation: Physiological and Clinical Implications. Endocr Rev. 2017;38(4):302–352.
- Travison TG, Araujo AB, O'Donnell AB, Kupelian V, McKinlay JB. A Population-Level Decline in Serum Testosterone Levels in American Men. J Clin Endocrinol Metab. 2007;92(1):196–202.
- Lazarou S, Reyes-Vallejo L, Morgentaler A. Wide Variability in Laboratory Reference Values for Serum Testosterone. J Sex Med. 2006;3(6):1085–1089.